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Projekt A4 – 2. Förderphase

Evidenzbasierte Erarbeitung und Testung von allgemein verbindlichen „ICF Core Sets“ für ausgewählte Gesundheitsstörungen zur Klassifikation der Beeinträchtigung der funktionalen Gesundheit in Praxis und Forschung

  • Projektbereich
    • Projektbereich A - Diagnostik- und Prädiktorstudien
  • Personen und Institutionen
    • Prof. Dr. Gerold Stucki Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, der Universität München, Marchioninistr. 15, 81377 München
    • Dr. Alarcos Cieza Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, der Universität München, Marchioninistr. 15, 81377 München
    • Dipl.-Psych. Thomas Ewert Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, der Universität München, Marchioninistr. 15, 81377 München
    • Michaela Füßl Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, der Universität München, Marchioninistr. 15, 81377 München
    • Dipl.-Psych. Szilvia Geyh Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, der Universität München, Marchioninistr. 15, 81377 München
    • Martin Weigel Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, der Universität München, Marchioninistr. 15, 81377 München
  • Laufzeit
    • 3 Jahre (Beginn am ???)
  • Poster
    • -
  • Kontakt
    • Dr. Alarcos Cieza,
    • Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Universität München,
    • Marchioninistr. 15, 81377 München,
    • Telefon: 089/7095-4058,
    • Fax: 089/7095-8836,
    • E-Mail: Alarcos.Cieza (AT) phys.med.uni-muenchen.de.

Hintergrund

Die ‘International Classification of Functioning, Disability and Health’ (ICF) wurde im Mai 2001 durch die ‘World Health Assembly‘ verabschiedet (WHO, 2001). Die Klassifikation wurde in umfangreichen, internationalen Konsensbildungsprozessen entwickelt und bezieht sich auf Domänen, die sich direkt (z.B.: mentale Funktionen) oder indirekt (z.B.: Ausbildung, Beruf) auf den Gesundheitsstatus beziehen. Auf höchstem Präzisionsniveau bietet die ICF-Klassifikation mit ihrer 1495 Kodierungen eine globale Sprache zur Deskription des individuellen Gesundheitsstatus an. Auch wenn die Anwendung der ICF-Klassifikation in multiplen Bereichen innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesen einzusiedeln ist, muss sie für ihre Anwendung in der klinischen Praxis adaptiert werden. In einem Workshop der drei Gesellschaften für Physikalische Medizin und Rehabilitation von Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigte sich, dass die in der ICF-Checkliste (damals ICIDH-2 Checkliste) angebotene Auswahl von ICF-Domänen aus dem umfassenden ICF-Klassifikation die wichtigsten Beeinträchtigungen der funktionalen Gesundheit für drei ausgewählte Gesundheitsstörungen, adäquat abbildet. Es war möglich für diese Gesundheitsstörungen Core Sets, also typische Muster, welche die aus Sicht der Rehabilitation relevanten Kern-Domänen darstellen, zu definieren (Stucki, Müller, Bochdansky, Schwarz & Smolenski, 2000).

Vor diesem Hintergrund wurde das Kooperationsprojekt „Development of ICF Core Sets for Clinical Practice“ zwischen der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der WHO geplant und zur Zeit duchgeführt.

Ziele und Fragestellungen

Endziel des Projektes ist die Entwicklung von international akzeptierten und evidenz-basierten ICF-Core-Sets für die folgenden 12 ausgewählte Gesundheitsstörungen zur Klassifikation der Beeinträchtigung der funktionalen Gesundheit in Praxis und Forschung:

Muskuloskelettale Erkrankungen (Rückenschmerzen, Osteoporosis, Rheumatoide Arthritis, Osteoarthritis), Kardiovaskuläre und weitere internistische Erkrankungen (Ischämische Herzkrankheit, COPD & Asthma bronchiale, Diabetes Mellitus, Brustkrebs) und Chronische Schmerzsyndrome psychische und neurologische Störungen (Adipositas, Schmerzstörungen, Depressive Störung, Schlaganfall)

Zwei Phasen mit ihren jeweils respektiven Zielen können innerhalb des Projektes unterschieden werden.

Phase I erzielt eine Auswahl der ICF Domänen, welche die unterschiedlichen krankheitsspezifischen Core Sets beinhalten sollen. Diese Auswahl wird innerhalb von vier internationalen Konsensus-Konferenzen durchgeführt. Jede dieser Konsensus Konferenzen wird sich auf einen von vier unterschiedlichen Gesundheitsbereichen konzentrieren.

Phase II erzielt die Evaluierung der Praktikabilität, Reliabilität, Validität und Sensitivität der krankheitsspezifischen Core Sets, die während Phase I entwickelt wurden. Um dieses Ziel zu erreichen, wird in Deutschland eine multizentrische, prospektive Kohortenstudie mit 3000 Patienten durchgeführt.

Zusätzlich findet eine Vorbereitungsphase statt, worauf die Phase I des Projektes aufbaut. Ziel dieser Vorbereitungsphase ist es, Informationen zu sammeln, die eine Evidenz und empirisch-fundierte Vorauswahl von ICF Domänen zu jedem krankheitsspezifischen Core Set erlauben. Innerhalb dieser Vorbereitungsphase werden (1) Systematische Literaturreviews zu jeder der ausgewählten Gesundheitsstörungen durchgeführt. (2) Das Delphi-Verfahren wird implementiert, um die Meinung von Experten bezüglich der relevanten ICF Domänen für die Entwicklung der unterschiedlichen krankheitsspezifischen ICF Core Sets aufzunehmen. (3) Eine multizentrische, prospektive Kohortenstudie mit 1200 Patienten wird in Deutschland durchgeführt, um sowohl die Praktikabilität, Reliabilität, Validität und Sensitivität der ICF Checkliste zu evaluieren, und um ICF Domänen zu identifizieren, die krankheitsspezifische Core Sets bilden werden.

Methodik zur Phase I: Die Teilnehmer der Konsensuskonferenzen werden anerkannte nationale und internationale Experten einer der 12 ausgewählten Erkrankungen sein.

Nominaler Gruppenprozess ist die Methode, die zur Konsensusfindung zwischen den Experten während der Konferenzen ausgewählt wurde.

Methodik zur Phase II: Studiendesign - eine multizentrische, prospektive Kohortenstudie mit zwei Messzeitpunkten (vor und nach der Rehabilitativen Behandlung) wird durchgeführt.

Studienpopulation - 3000 Patienten, die alle der folgenden Einschlusskriterien erfüllen: (1) Alter > 18, (2) die Hauptdiagnose entspricht eine der 12 für das Projekt ausgewählte Gesundheitsstörungen, (3) der Patient wurde über die Ziele und Gründe der Studie aufgeklärt und diese wurden von dem Patienten verstanden und (4) eine unterschriebene Einverständniserklärung des Patienten liegt vor.

Studienzentren - deutsche Rehabilitationskliniken (insbesondere bei den Projektträgern des RFB).

Instrumenten - eines des 12 während der Phase I und Vorbereitungsphase entwickelte Core Set, ein Praktikabilitätsfragebogen, der Short Form-36 Health Survey und „The World Health Organization Disability Assessment Schedule II“ (WHODAS II).

Statistische Analysen - die Praktikabilität anhand deskriptive Statistik, die Reliabilität anhand Intra-Klassenkorrelationskoeffizienten, die Validität anhand explorativer Faktorenanalysen nach dem Modell mehrerer gemeinsamer Faktoren mit drei Iterationsschritten Diskriminanzanalysen und die Sensitivität anhand von der Berechnung von Effektgroßen und Guyatt's Empfindlichkeits-Statistik der 12 ICF Core Sets werden innerhalb dieser zweiten Phase des Projektes berechnet.

Ergebnisse

International akzeptierten, zuverlässige, valide und sensible ICF-Core-Sets für die folgenden 12 ausgewählte Gesundheitsstörungen zur praktikablen Einsetzung in der klinischen Praxis.

Publikationen

  • Stucki G, Müller K, Bochdansky T, Schwarz H, Smolenski U. Ist die ICIDH-Checkliste geeignet zur Klassifikation der funktionalen Gesundheit in der rehabilitativen Praxis? Ergebnisse einer Konsensuskonferenz der drei Gesellschaften für physikalische Medizin und Rehabilitation von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin Kurortmedizin. 2000; 10, 78-85.