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Projekt C5 – 2. Förderphase

Operationalisierung und Erprobung der (Haupt-) Kriterien zur Begutachtung des Reha-Bedarfs der Rentenversicherung in Form eines Entscheidungsalgorithmus

  • Projektbereich
    • Projektbereich C - Schnittstellenprobleme in der rehabilitativen Versorgung
  • Personen und Institutionen
    • Dr. Heiner Vogel Arbeitsbereich Rehabilitationswissenschaften, Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Universität Würzburg
    • Dr. Karin Meng Arbeitsbereich Rehabilitationswissenschaften, Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Universität Würzburg
    • Mag. Julia Zdrahal-Urbanek Arbeitsbereich Rehabilitationswissenschaften, Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Universität Würzburg
    • Dr. Anton Holderied Landesversicherungsanstalt Unterfranken
    • in Zusammenarbeit mit:
      Sozialmedizinische Dienste der bayerischen Landesversicherungsanstalten (LVA Niederbayern-Oberpfalz, Dr. Legner; LVA Oberbayern, Dr. Karl; LVA Ober- und Mittelfranken, Dr. Schubert; LVA Schwaben, MD. Bachmann; LVA Unterfranken, Dr. Holderied)
  • Laufzeit
    • 3 Jahre (1.4.2002 bis 31.3.2005)
  • Kontakt 1
    • Dr. phil. Heiner Vogel;
    • Universität Würzburg, Arbeitsbereich Rehabilitationswissenschaften im Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie,
    • Klinikstraße 3,
    • 97070 Würzburg,
    • Tel. 0931-31-2718,
    • Fax: 0931-888-7117,
    • E-mail: h.vogel (AT) mail.uni-wuerzburg.de
  • Kontakt 2

Hintergrund

In der Praxis der sozialmedizinischen Begutachtung der Reha-Bedürftigkeit, in der es noch an empirisch abgeleiteten Entscheidungshilfen mangelt, können alle Probleme und Verzerrungen auftreten, die aus den Untersuchungen zur diagnostischen Urteilsbildung, speziell im Bereich der medizinischen Diagnostik, bekannt sind. Eine besondere Schwierigkeit ergibt sich aus dem „Ermessensspielraum“ der relativ abstrakt formulierten Entscheidungskriterien und der angesichts der Vielfalt an verschiedenen Informationsquellen komplexen Informationsverarbeitung. Für die Qualitätsentwicklung der sozialmedizinischen Begutachtung wird eine systematisierte und standardisierte zweistufige Entscheidungsprozedur vorgeschlagen.

Ziele und Fragestellungen

Im ersten Schritt sollen die auf Grundlage der Ergebnisse des Projektes C2 der ersten Förderphase des RFB ermittelten Kriterien des Reha-Bedarfs in zwei Delphi-Expertenbefragungen näher operationalisiert und in die Formulierung eines Entscheidungsalgorithmus umgesetzt werden. Dieser soll eine manualisierte und systematisierte Entscheidungshilfe für die sozialmedizinische Entscheidungsfindung darstellen. Im zweiten Schritt soll der entwickelte Algorithmus hinsichtlich seiner praktischen Anwendbarkeit und methodischen Gütekriterien evaluiert werden. Dabei soll der Entscheidungsalgorithmus mit der momentan üblichen Entscheidungsprozedur der Aktengutachter und Untersuchungsgutachter verglichen werden.

Studiendesign

Das neu entwickelte Entscheidungsverfahren wird in einem kontrollierten, prospektiven und längsschnittlichen Design mit der gängigen Begutachtungspraxis in den 5 bayerischen LVAen verglichen (N=500). Die Hauptzielgröße des Vergleichs stellt die Übereinstimmung beider Verfahren mit den Außenkriterien (IRES-Version-3-Patientenfragebogen und Einschätzung der Reha-Bedürftigkeit durch den Klinikarzt) dar.

Ergebnisse

Die Delphi-Expertenbefragungen (Delphi 1: N=20; Delphi 2: N=106) erbrachte in der ersten Runde 13 wesentliche bzw. sinnvoll differenzierbare Bedarfskriterien, die in dem geplanten Entscheidungsalgorithmus zu berücksichtigen sind. Für diese Kriterien wurden in der zweiten Runde folgende beiden Ebenen näher bestimmt: (1) Operationalisierung und (1) ideale Erfassung und Beurteilbarkeit. Ferner wurde die Rangfolge der Kriterien (Wichtigkeit) festgelegt. Auf dieser Grundlage konnte eine standardisierte und manualisierte Ausformulierung der 13 Reha-Bedarfskriterien in mehreren Ausprägungsgraden erarbeitet und zu einem vorläufigen Entscheidungsalgorithmus zusammengefasst werden.

In der praktischen Erprobung des Algorithmus (N = 243) zeigt sich eine eingeschränkte Beurteilbarkeit einzelner Bedarfskriterien nach Aktenlage; durchschnittlich können 9,2 (SD = 2,4) der 13 Kriterien eingeschätzt werden. Für die Entscheidungen lt. Algorithmus ergibt sich eine mittlere Urteilskonkordanz (Κ = .37, p < .001) mit den Reha-Empfehlungen in der prüfärztlichen Aktenbegutachtung und eine hohe (Κ = .71, p < .001) mit den Empfehlungen der Untersuchungsgutachter. Antragsteller mit positiven und negativen Empfehlungen nach dem Algorithmus unterscheiden sich signifikant im subjektiven Rehabilitationsstatus (IRES Summenscore: d = .38).

Insgesamt kann von den Ergebnissen auf einen Bedarf an Maßnahmen zur Verbesserung der Entscheidungsgrundlage bei Aktenbegutachtung geschlossen werden. Aufgrund der Heterogenität in der Umsetzung von Bedarfskriterien sind zur Erhöhung der Beurteilerobjektivität eindeutige, operationale Definitionen der Bedarfskriterien und explizite Entscheidungsalgorithmen erforderlich.

Publikationen

  • Meng, K., Holderied, A. & Vogel, H. (2007). Rehabilitationsbedarf in der Sozialmedizinischen Begutachtung - Entwicklung und Evaluation eines Entscheidungsalgorithmus. Die Rehabilitation, 46, 41-49.
  • Vogel, H., Holderied, A. & Meng, K. (2006). Perspektiven der Sozialmedizinischen Begutachtung von Rehabilitatinsbedarf - Expertentagung vom 16.-17.2.2006 in Würzburg. Die Rehabilitation, 45, 184-185.